«Ein Elektroauto ist nachhaltiger und günstiger als ein Benziner»

Firmengründer und Verwaltungsrat Josef Brusa wurde einst für seine Ideen belächelt, heute sind seine Überzeugungen und Produkte in unser aller Mobilitätsalltag angekommen. BRUSA beliefert Automobilhersteller wie BMW, Daimler oder Volkswagen mit hocheffizienten Komponenten für Elektrofahrzeuge. Einblicke und Ausblicke eines Nachhaltigkeitspioniers.

Buchs SG - 30.04.2022

Josef Brusa, Firmengründer und Nachhaltigkeits-Pionier
Foto: Michael Buholzer. ©BRUSA

Josef Brusa, wie wurden Sie zum Pionier im Bereich Elektromobilität?

Nach dem Studium am NTB in Buchs war für mich klar, dass ich nicht nur einer spannenden, sondern auch einer sinnvollen Arbeit nachgehen möchte. Das war in den 1980er-Jahren − die Zeit nach der Ölkrise und dem Club of Rome, das Klimathema kam erstmals auf. Da sagte ich mir: Hier will ich etwas bewegen.

Sie setzten damals auf Solarzellen und fuhren mit solarbetriebenen Rennwagen an der Tour de Sol von Romanshorn nach Genf. Solarzellen auf Autos setzten sich aber nicht durch.

Ja, das war damals nicht alltagstauglich und ist es auch heute nicht. Die Fläche auf den Autos ist zu klein. Zudem will kaum jemand sein Fahrzeug in der prallen Sonne parken. Daher gehören die Solarzellen auf die Hausdächer. Auf Privathäuser und auf Firmengebäude. Schon zwanzig Quadratmeter sind ausreichend, um ein Auto das ganze Jahr zu betreiben.

Mit BRUSA konzentrierten Sie sich dann auf den Elektroantrieb. Weshalb?

Die Effizienz des Elektromotors ist sensationell. Sie ist um ein Vielfaches besser als bei einem Verbrenner. Der Wirkungsgrad beim Elektromotor lag schon in den 1990er-Jahren deutlich über 90 Prozent. Das Verbrennungsauto bringt weniger als 20 Prozent der zugeführten Energie auf die Strasse.

Welche Komponenten entwickelt und produziert BRUSA?

Grob gesagt machen wir alles, wodurch in einem Fahrzeug viel Strom fliesst und elektrische Energie umgewandelt wird. Dazu gehören beispielsweise Antriebe und Spannungsumwandler. Zudem Ladegeräte mit Stecker und induktive Lademöglichkeiten. Ausserdem diverse Komponenten für Wasserstoff-Fahrzeuge, wie Wandler und Umrichter.

Steckt in jedem Elektroauto ein bisschen BRUSA?

Genetisch gesehen wohl schon. Unsere Szene wurde in den 1990er-Jahren belächelt, wir wurden als Spinner abgetan. Doch wir konnten aufzeigen, dass Elektromobilität funktioniert. Wir haben diese Art der Fortbewegung für Fahrzeuge aufgegleist. Unsere Forschungs- und Entwicklungsergebnisse zeigen sich in allen Elektrofahrzeugen, selbst im Tesla, obwohl wir dieses Unternehmen nicht beliefern. Zudem haben in Europa alle Elektroautos einen Stecker vom Typ 2, welchen wir mitentwickelt haben. Mit diesem Stecker können heute alle E-Autos in Europa geladen werden. In jedem Elektroauto steckt somit ein bisschen BRUSA Elektronik AG.

Sind Sie immer noch davon überzeugt, dass wir 2025 nur noch Neuwagen mit Stecker kaufen werden?

Ja, davon gehe ich immer noch aus. Und bis 2030 werden grossmehrheitlich nur noch Elektroautos verkauft werden. Bis die Verbrenner ganz von der Strasse verschwinden, wird es noch etwas länger dauern. Es ergibt ja wenig Sinn, fast neue Autos wegzuwerfen, auch wenn diese noch Diesel oder Benzin verbrennen. Der Wiederverkaufswert dieser Fahrzeuge wird aber dramatisch sinken, weil sie keiner mehr haben will.

Was macht Sie so sicher?

Zum einen bin ich bei weitem nicht der einzige, der das so sieht. Bereits beim Diesel ist nach dem Dieselskandal die Nachfrage zurückgegangen. Also werden weniger Dieselfahrzeuge hergestellt, was die Produktion und schlussendlich auch die Autos teurer machen wird. Die Batterien für Elektroautos werden jedoch immer günstiger. Es kommt zum Kipppunkt, an dem es günstiger ist, ein Auto mit Elektro- statt Verbrennungsmotor zu kaufen. Ausserdem macht ein Elektroauto einfach viel mehr Spass zu fahren und auch in der Handhabung ist es viel einfacher.

Sie sagen, ein Elektroauto sei günstiger als Benziner, man müsse nur richtig kalkulieren. Rechnen Sie uns das bitte vor?

Inzwischen gibt es viele Angebote unterschiedlicher Marken, mit denen man bereits ab 20 000 km pro Jahr günstiger fährt als mit einem Verbrenner. Diese Grenze sinkt weiter und schon in wenigen Jahren wird das Elektroauto in allen Klassen und Kilometerleistungen günstiger sein.

Für Menschen, die mehr als 40 000 Kilometer pro Jahr unterwegs sind, ist ein Tesla günstiger als ein Wagen in der gleichen Klasse. Vielleicht nicht, wenn man allein die Anschaffungskosten betrachtet. Doch rechnet man Unterhalts- und Betriebskosten hinein, kommt es günstiger. Der Service für den Verbrenner kostet jedes Jahr zünftig Geld, beim Elektrofahrzeug ist das nur alle zwei Jahre nötig. Das Teuerste beim Elektroauto sind die Reifen.

Mein Tesla hat inzwischen 170 000 Kilometer auf der Anzeige. Trotzdem liegen die Kosten für die Batterieladungen unterwegs bisher im unteren dreistelligen Bereich, trotz gestiegener Strompreise. Allein der Treibstoff hätte einen fünfstelligen Betrag gekostet. Bei ständig steigenden Rohstoffpreisen liegt der Vorteil des Elektroautos auf der Hand.

Rechnen wir unsere endlichen Ressourcen hinein, mit oft langen und umstrittenen Transportwegen. Ich lade meinen Tesla meistens zu Hause mit der Solaranlage. Das Gefühl, Energie aus nachhaltiger Quelle für das Auto selbst produzieren zu können und diese nicht aus Konfliktgebieten importieren zu müssen, ist fast unbezahlbar.

Sind geringe Reichweiten und fehlende Ladeinfrastruktur heute noch Argumente gegen Elektroautos?

Nein. Die Reichweiten liegen bei neuen Autos bei 200 bis 400 Kilometer. Für die meisten reicht das für mehrere Tage. Meist wird ja vergessen, dass man ein Elektroauto in der Regel jeden Tag lädt. Jeden Morgen startet man mit voller Batterie.

Und wer fährt schon 500 Kilometer am Stück? Die Ladeinfrastruktur hat nur noch wenige Lücken und wird in ganz Europa rasant ausgebaut. Wer lange Strecken fährt, muss die Pausen am richtigen Ort machen. Dort kann man die Batterie laden und in dieser Zeit einen Kaffee trinken.

Sinnvollerweise wird man den Akku unterwegs auch nur so weit zwischenladen, dass es für den Rest der Strecke ausreicht. Bei Ankunft kann man dann den Akku wieder vollladen. Dass es zu wenig Ladestationen gibt, gilt auch nicht mehr. In Europa gibt es aktuell etwa 60 000 öffentliche Ladepunkte. Der Ausbau geht weiterhin rasant voran. Wir waren mit dem Tesla bereits in Schottland, Portugal, Marokko und am Nordkap. Wir haben überall Strom gefunden.

Was halten Sie davon, Benziner zu Elektrofahrzeugen umzurüsten?

Nichts. Das ist zu ineffizient. Das geht in die gleiche Richtung, wie mehr Bäume für das Klima anzupflanzen, statt damit aufzuhören, den Amazonas und andere Wälder abzubrennen. Heute sind immer noch 95 Prozent der neu produzierten und verkauften Autos Verbrenner. Diese Quote zu verbessern ist viel der grössere Hebel, als einzelne Autos umzubauen.

Politisch ist der Wille zur Reduktion von CO2 klar. Wo soll man ansetzen, um die Reduktionsziele zu erreichen?

In erster Linie sollen Sanktionen, wie sie bei der Autoindustrie ab dem 1. Januar 2020 bei den CO2-Emissionsvorschriften gelten, nun durchgesetzt werden. Wird der Zielwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bei einer Flotte überschritten, müssen die Importeure 100 Franken pro Gramm Überschreitung Strafe bezahlen. Das bedeutet, wenn der Flottendurchschnitt bei 100 Gramm liegt und der Importeur hunderttausend Neuwagen verkauft hat, muss er eine Strafe von 500 Franken pro Auto bezahlen. Das kostet ihn 50 Millionen Franken. Solche Beträge schmerzen und sind ein starker Stimulus. Für Gebäude braucht es ähnliche Gesetze.

Die eigentliche Disruption kommt aber von den technologischen Entwicklungen. Ein System aus PV-Strom, Windenergie und Batterien wird in 10 Jahren zuverlässigen Strom für 3 bis 5 Rappen liefern können. Das ist so günstig, dass keine andere Kraftwerkart mehr mithalten kann.

Was denken Sie über Subventionen?

Davon sollten wir wegkommen. Besonders, wenn die falschen Dinge subventioniert werden, wie zum Beispiel die Kohleindustrie in Deutschland. Ich bin stattdessen für temporäre Förderung neuer Technologien, wie man es vom Start der kostenorientierten Einspeisevergütung (KEV) bei erneuerbaren Energien her kennt. Ausserdem sollte der in der Schweiz nur teilliberalisierte Strommarkt so liberalisiert werden, dass jeder auf simple Weise seinen Solarstrom in der Nachbarschaft verkaufen kann. Das würde wohl dazu beitragen, dass mehr Strom aus Sonnenenergie produziert werden würde. Ein weiteres Problem sehe ich in der starken Lobby der fossilen Industrie. Diese erzielt zweitausend Milliarden Franken Umsatz pro Jahr und macht Milliardengewinne. Aus ökologischen Gründen sollte man diese Industrie jedoch abschaffen. Doch kampflos geben die Ölmultis ihre Einnahmequelle nicht auf.

Ist doch verständlich, wer will schon auf sein Einkommen verzichten?

Es braucht deshalb einen grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel. Zunächst müssen wir den Unterschied verstehen, dass wir kein Einkommen brauchen, sondern ein Auskommen. Das stetige Wachstum ist Gift für das Klima. Wir haben eine beschäftigungsorientierte Wirtschaft, statt einer bedarfsorientierten. Das führt dazu, dass wir immer noch mehr Herstellen müssen, obwohl wir schon längst genug haben. An den Universitäten lernen die Studierenden immer noch, dass die Wirtschaft wachsen muss. Davon müssen wir abkehren.

Auch die Bevölkerung wächst. Das ganze System ist doch auf Wachstum ausgelegt?

Wenn wir Effektivitätsgewinne mit Wachstum kompensieren statt mit Arbeitsreduktion, erreichen wir die Klimaziele definitiv nicht. Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, 2050 vollständig klimaneutral zu werden. Wie soll das praktisch funktionieren, wenn wir nicht radikal umdenken und konsequent handeln? Unterm Strich brauchen wir eine schrumpfende Wirtschaft – weniger Arbeitsplätze für den gleichen Output, also kein Verzicht aufgrund der höheren Effektivität. Doch dafür muss erst Akzeptanz geschaffen werden. Es wäre schön, wenn die Hochschulen Theorien für eine schrumpfende Wirtschaft entwickeln würden. Das gäbe ein paar sehr spannende Doktorarbeiten. Um dieses Problem zu lösen, ist ein richtig gestaltetes Grundeinkommen ein geeignetes Mittel. Von manchen wird man für diese Idee wieder belächelt. Aber das kenne ich ja bereits – und bin überzeugt, dass die Zeit kommen wird, wo das anders gesehen wird. /bhp

Media Relations

Sabine Labonte
Head of Communications
T: +41 81 758 19 00
medien@brusahypower.com
TOP